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Christian Death: Atrocities

CHRISTIAN DEATH Atrocities 1986Label: Season of Mist

Spielzeit: 41:03 Min.

Genre: Gothic Rock / Death Rock / Postpunk

Info: Facebook

Album kaufen: Shop

Hörprobe: Youtube

VÖ-Datum: 08. Januar 2016

 

Bei „Atrocities“ handelt es sich um das vierte, erstmals im Jahre 1986 veröffentlichte Album der Kultband Christian Death. Es war nach der EP „The Wind Kissed Pictures“ das Full-Length-Sangesdebüt von Valor Kand – nachdem der legendäre Rozz Williams, welcher zuvor am Mikro der Band gestanden und mit Christian Death unter anderem das sagenumwobene Debüt „Only Theatre Of Pain“ (1982) aufgenommen hatte, aus der Band ausgeschieden war.

„Atrocities“ wird nun gemeinsam mit seinem Nachfolger „The Scriptures“ (1987) wiederveröffentlicht, und in einer Welt, welche gerade so empfänglich für diese Art von Musik wie lange nicht mehr scheint (Stichworte: Beastmilk/Grave Pleasures, Publicist U.K., Ketzer, Secrets Of The Moon, Tribulation...), sollte dies manchem Musikliebhaber als willkommene Einladung gelten, sich näher mit dieser einflussreichen Band zu befassen.

„Atrocities“ ist ein Konzeptalbum, dessen Texte ausschließlich den Holocaust behandeln und insbesondere auch das Grauen von Auschwitz im Fokus haben – wobei sie durchaus erträglich sind und man die meisten davon ohne diese Informationen unter Umständen vollkommen anders verorten und verarbeiten würde. Slayer haben die Thematik jedenfalls 1986 mit „Angel Of Death“ deutlich unappetitlicher verarbeitet. Die Musik von Christian Death bietet dazu Siouxsie And The Banshees-artigen Wohlklang („Tales Of Innocence“, gesungen von der großartigen und Siouxsie nicht unähnlich klingenden Gitane DeMone), hektisch-euphorischen Postpunk-Wahn („Strapping Me Down“), majestätisches, mit ganz großen Gesten versehenes Schwelgen („The Danzig Waltz“) sowie regelrechte Hits („Chimere De-ci De-la“ - wobei gerade dieser Song den neben „The Death Of Josef“ offensichtlichsten Text hat und dadurch den im Vergleich zum Rest regelrecht „poppigen“ Appeal komplett ad absurdum führt).

Außerdem enthält es eine Einspielung des notorischen, im Jahr 1933 von dem ungarischen Pianisten Rezso Seress geschriebenen „Gloomy Sunday“ - welches durch den späteren Text von László Jávor auch als „ungarisches Selbstmordlied“ bekannt sowie später von Künstlern wie Billie Holiday gecovert wurde – die ihn wiederum in ihrer Version von 1941 weltberühmt machte. Es geht um den Tod eines geliebten Menschen, nach welchem der Trauernde schließlich Selbstmord verübt – Kontroversen und diverse Banne des Songs haben ihn in seiner langen Geschichte begleitet, angeblich wurden überproportional viele Selbstmorde zu ihm verübt (Gloomy is Sunday / With shadows I spend it all / My heart and I have decided to end it all / Soon there'll be candles and prayers that are sad / I know, let them not weep / Let them know that I'm glad to go). Christian Death bedienen sich der durch Billie Holiday abgewandelten lyrischen Form, der Song bleibt durchaus jazzig, aber natürlich mit gehörigem gotischen Touch.

„Atrocities“ ist – wenn man den Hintergrund mitbedenkt und die Stimme nicht nur als Instrument ansieht, sondern sich mit den durch diese vermittelten Worten auseinandersetzt – ganz eindeutig kein Album für fröhliche Stunden. Es ist ein gerade auch aufgrund seines irritierenden Wohlklangs subtil schockendes Gesamtkunstwerk, welches den Wahnsinn unserer Welt lauernd in den Raum stellt, ohne ihn dabei auch nur ein Jota erträglicher zu machen. Es erzählt von individuellen Eindrücken des Schreckens, berichtet in kleinen Episoden vom Grauen im Angesicht des Unfassbaren. Und die Musik dazu – sie ist großartig.

Wer sich also gar nicht erst auf die Lyrics sowie den Gesamtkontext des Albums einlassen mag, der sollte dennoch zugreifen – denn man erhält unabhängig davon einfach ein enorm stimmungsvolles, abwechslungsreiches Album im Abenteuerland zwischen Gothic Rock, Postpunk und Death Rock.

Daniel Lofgren

XXL WertungXL 1

Tracklisting

"Prologue"
A1. Will-o-the-Wisp
A2. Tales of Innocence
A3. Strapping Me Down
A4. The Danzig Waltz
A5. Chimere De–ci De-la

"Finale"
B1. Silent Thunder
B2. Strange Fortune
B3. Ventriloquist
B4. Gloomy Sunday
B5. The Death of Josef

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